Autor: | Kategorie: Transport News |

Österreich bereitet Grenzkontrollen vor

Erkrath, 02.05.2016 – Seit Jahrtausenden fungiert der Brennerpass als eine der wichtigsten Verkehrs- und Handelsachsen zwischen Nord- und Südeuropa. Immer wieder war der Alpübergang dabei Scheitelpunkt politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen. So auch jetzt, wo Österreich die Wiederaufnahme der Grenzkontrollen zu Italien in die Wege leitet und damit Ende Mai beginnen wird.

Am 12. April 2016 begannen die Bauarbeiten mit der Demontage der Leitplanken auf unmittelbarer Höhe der Staatsgrenze zwischen Österreich und Italien. Seit 1998 sorgte das Schengen-Abkommen als Zeichen der Freizügigkeit innerhalb Europas für den barrierefreien Grenzübertritt. Nun soll hier bis zum Monatsende eine überdachte Kontrollzone entstehen, die abschreckend auf Flüchtlinge wirken und ihren Zustrom nach Österreich eindämmen soll.

BrennerGrenzkontrolle_900x600px_RGBStaus und wirtschaftliche Folgen drohen

Vor allem wegen der niedrigen Maut- und Dieselkosten Österreichs, im Vergleich zum Nachbarn Schweiz, bevorzugen Transportunternehmen die Brennerautobahn. Allein 2,1 Millionen Lkw überquerten die Alpen im Jahr 2015 über die vier Spuren, das sind pro Tag rund 5.800 Fahrzeuge. Durch das geplante Tempolimit von 30 km/h im Bereich der Kontrollpunkte müssen sich sowohl die Unternehmen als auch die Fahrer auf lange Staus und Wartezeiten einstellen – trotz der geplanten zwei Lkw-Spuren. Eine der beiden soll dabei zur Sichtkontrolle dienen, die andere zur stichprobenartigen Überprüfung der Personalien.

So oder so: Es drohen Zeitverlust und hohe Standkosten durch die Sperrung von Italiens Transportweg Nr. 1. Die Südtiroler Handelskammer befürchtet, dass die Mehrkosten an die Auftraggeber, sprich die Verlader weitergereicht werden. Somit würden sie letztlich durch Preiserhöhungen beim Verbraucher landen.

 

Lösungsansätze in Diskussion

Mögliche Lösungen für die sich andeutenden Probleme am Pass reichen von der Stärkung des Schienenverkehrs, über Prüfsiegel an Lkw, bis zu flexiblen Lenk- und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer während der Grenzkontrollen.

Für die Stärkung des Bahnkorridors wäre eine Überarbeitung des Fahrplans notwendig, mit dem Ziel, eine in puncto Zeitaufwand lohnenswerte Alternative zur Autobahn zu schaffen. Prüfsiegel, die in unbeschädigtem Zustand anzeigen, dass der Lkw seit dem Beladen nicht mehr geöffnet wurde, müssten privatwirtschaftlich abgewickelt werden. Entscheidungen zu den beiden Vorschlägen gibt es bislang nicht.

Die Lockerung der Lenk- und Ruhezeiten für Lkw-Fahrer hingegen scheint generell keine Diskussionsbasis zu haben. Zu hoch wird das Sicherheitsrisiko eingestuft, überginge man die Regelungen auch nur zeitweise im Rahmen einer Ausnahmeregelung am Brenner.

Umsetzbare Lösung: Mehrzeitkalkulation

Die Astag (Schweizerischer Nutzfahrzeugverband) erwartet allerdings keinen

Ausweichverkehr über die Gotthard- oder San Bernardino-Trasse. Denn letztlich wäre es weder eine Zeit- geschweige denn eine Kostenersparnis, den Weg über die Alternativrouten zu bestreiten. Wie bereits erwähnt, sind die Maut- und Dieselpreise in der Schweiz sehr viel höher als in Italien und Österreich.

Letztlich bleiben, solange es keine anderen schnell umsetzbaren Lösungen gibt, nur das Einkalkulieren des zeitlichen Mehraufwandes und das Hinnehmen hoher Standkosten. Ja, es wird zulasten der Konsumenten gehen und auch zulasten der Fahrer, denen die gesamte Dauer als Fahrzeit angerechnet wird. Was aber auch bleibt ist die Hoffnung, dass die Grenzkontrollen nur eine Drohung Österreichs in Richtung Brüssel sind und durch sie doch noch eine Einigung im Umgang mit dem Flüchtlingsstrom erzielt wird.

 

 

 

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