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Die Transportbranche ist die drittgrößte Branche in Deutschland und der Güterverkehr garantiert uns, dass wir unsere Waren pünktlich bekommen. Nur wie wir sie bekommen, gefällt vielen nicht: über die LKW. LKW seien tickende Zeitbomben, zu laut und auf Autobahnen im Weg. Die Kritik bekommen selten die verantwortlichen Speditionen zu spüren. Es ist der Fahrer, der sich rechtfertigen muss. Durch Organisationen wie dem Camion Pro e.V und den Transportbotschaftern bekommen die Fahrer Rückenwind.

Aktuell sind in Deutschland mehr als 2.6 Millionen LKW registriert und die Prognose ist steigend. 70% des Güterverkehrs werden über die Straße abgewickelt, da es über die Straße günstiger und flexibler sei. Mit Zügen oder Schiffen ist es nicht möglich beim Einzelhandel an die Rampe zu fahren. Wo wir beim Thema wären: der LKW-Fahrer muss bestimmte Lieferzeiten wahrnehmen und hilft meist noch beim Ab- und Beladen des Fahrzeugs. Die Fahrten zu den Distributionszentren sind zeitlich genau geplant, Staus und Pannen nicht einkalkuliert, Verspätungen vorprogrammiert. Stand der Fahrer im Stau und kommt zu spät zum Distributionszentrum, muss er sich hinten anstellen, was gut und gerne bis zu vier Stunden und länger dauern kann. Hier muss man als Fahrer flexibel sein. Man kann den Anhänger abkuppeln und den nächsten Rastplatz anfahren um seine Ruhepause zu machen, damit man dann in der Nacht weiterfahren kann oder warten. Ersteres wird häufiger gemacht.

Die Lenkzeiten sind für einen Fahrer festgeschrieben und nicht flexibel. Man darf  zweimal am Tag 5 Stunden fahren mit einer Pause von 45 Minuten. Danach muss der Fahrer eine neunstündige Ruhezeit einlegen, tagsüber oder nachts. Der Biorhythmus gerät ins Wanken. Werden die Lenk- und Ruhezeit nicht eingehalten, drohen Strafen in Höhe von um die 500€ und mehr. In manchen Fällen übernimmt angeblich der Arbeitgeber die Strafen wegen Zeitüberschreitung, Hauptsache die Ware ist pünktlich und die Zeit wird effizient genutzt. Kontrollen werden durch das Bundesamt für Güterverkehr durchgeführt. Bei den Kontrollen werden die letzten 28 Tage überprüft, etwa 18% der Kontrollen weisen Verstöße gegen die Lenkzeiten auf.

Einen LKW-Parkplatz an einer Raststätte zu bekommen ist ebenfalls eine Lotterie. Mal hat man Glück und bekommt direkt einen, mal stellt man sich auf nicht gekennzeichnete Flächen, mal muss man den nächsten Rastplatz anfahren. Neue Raststätten sowie Erweiterungen sind in Planung. Um Erweiterungen und Neubauten zu stoppen, haben sich Vereine gebildet. Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung und die Sicherheit geben den Anwohnern Grund zu Protest. Aber nicht nur Anwohner regen sich über die möglichen zusätzlichen LKW auf den Straßen auf, PKW-Fahrer ärgern sich seit Jahren über sogenannte Elefantenrennen.

Die Transportbörse Truck & Cargo der TimoCom Soft- und Hardware GmbH hat die Initiative „Transportbotschafter“ gegründet, die mit der Aktion „Hand in Hand durchs Land“ für mehr Verständnis auf Deutschlands Straßen werben. „Wenn ich auf den Autohöfen mit Leuten spreche, regen sich die meisten über Elefantenrennen auf“, erzählt Jochen Dieckmann und fügt hinzu, dass es  in jeder Verkehrsgruppe 10% Deppen gebe. Dass LKW-Fahrer unter enormen Zeitdruck stehen und die Waren von A nach B bringen, damit die am nächsten Morgen in den Regalen liegen, wird oft nicht bedacht.

 

Quelle: ZDFzoom | 05.09.2012  Prügelknaben der Straße