Autor: | Kategorie: Logistik & Technik |

Kombinierter Verkehr wird gestärkt

 

Am 1. Juni 2016 ist es nach jahrelanger Planung und vielen Entscheidungen endlich soweit: Der Gotthard-Basistunnel wird in der Schweiz im Herzen der Alpen feierlich eröffnet! Mit seinen 56 978 Metern (Weströhre; Oströhre 57 091 Meter) ist der Gotthard-Basistunnel der längste Eisenbahntunnel der Welt. Er wird Ende 2016 in Betrieb genommen, die ersten Personenbahnfahrten werden aber bereits im Rahmen der Feierlichkeiten am 1.Juni durchgeführt. Ein großes Volksfest mit zahlreichen Staatsgästen wird veranstaltet, um den Abschluss des Projektes gebührend zu feiern.

Warum der neue Tunnel mit einem Staatsakt gefeiert wird?

Das Mammutprojekt der Schweizer im Herzen der Alpen wurde innerhalb von 17 Jahren realisiert und die Kosten wurden weitestgehend eingehalten. Es soll den transalpinen Verkehr sowie die Umwelt entlasten und so die Güter, wie im Referendum von 1994 bereits beschlossen, von der Straße auf die Schiene bringen. Der Basistunnel wird höhere Kapazitäten als der Gotthard-Tunnel haben, die Züge sollen zuverlässiger fahren und es werden schnellere Verbindungen möglich sein. So wird die Fahrzeit im Personenverkehr von Zürich nach Mailand in Verbindung mit dem Ceneri-Basistunnel um ca. eine Stunde verkürzt. Güter werden ebenfalls mit Zeitersparnis und in engerer Taktung transportiert werden können. Im Vergleich zum Gotthardtunnel können dann pro Tag 260 statt 180 Zügen durch den Tunnel rollen. Die Züge mit einer Länge von 740m statt 600m können 2000 Tonnen transportieren, nach weiteren Testläufen und Prüfungen wäre eine Last von 4000 Tonnen denkbar, da der Tunnel nur geringfügige Steigungen und keine engen Kurven hat. Aufgrund der niedrigen bis kaum spürbaren Steigungen, sprechen Experten hier von einer Flachbahn.

57km durch den Tunnel

© AlpTransit Gotthard AG

Durch die Flachbahn wird ein optimierter kombinierter Verkehr möglich, da längere Zugkombinationen und weniger Lokomotiven eingesetzt werden können. Bisher mussten bis zu drei Lokomotiven angespannt werden, um die 600m langen Zugkombinationen ins Rollen zu bringen. Eine Effizienzsteigerung, die sich positiv auf den Gütertransport und die europäische Wirtschaft auswirken kann. Ebenso ist es denkbar, dass nun auch kleinere Zugbetriebe mit weniger Lokomotiven in den kombinierten Verkehr einsteigen werden.

Möglichkeiten der Bahn

Durch weitere bauliche Maßnahmen wird es demnach möglich sein, Sattelauflieger mit einer Eckhöhe von 4m und einer Breite von bis zu 2,6m von Basel durch den Gotthard und via Chiasso direkt nach Italien zu den dort wichtigen Güterumschlagterminals zu transportieren. Dadurch wird die Umwelt entlastet. „Mit dem Bau der neuen Gotthardbahn verwirklicht die Schweiz eines der größten Umweltschutzprojekte Europas“, verspricht der eigens als Tochter der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) geschaffene Bauträger AlpTransit Gotthard AG. „Es trägt wesentlich zum Schutz der Alpen bei.“

Die Alpen sind der größte Gebirgszug in Europa und erstrecken sich über acht Länder: Deutschland, Liechtenstein, Österreich, Slowenien, Italien, Schweiz, Monaco und Frankreich. Wenn Ware von Deutschland nach Italien transportiert werden soll, geht dies nur über die Alpen, die in der Schweiz und Italien über 3000m hoch sind. Lkw-Fahrer versuchen stets auf ihren transalpinen Routen der Alpen wenn möglich zu meiden, da sie dort aufgrund der Steigungen und Serpentinen nur sehr langsam fahren können und Pässe im Winter oft gesperrt sind. Jetzt werden die Waren auf Zügen auf einer Höhe von 500m über dem Meeresspiegel transportiert; über ihnen 2000m Gestein.

Jährlich passieren über eine Million Lkw allein die Schweiz. Die Belastung für die Umwelt und die Einwohner ist enorm. Auch wenn die Zahl der Lkw innerhalb der Schweiz aufgrund der Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) zurückgegangen ist, ist sie in andern Ländern wieder gestiegen. Nun werden dort die Bewohner und die Umwelt durch Emissionen und Lärm belastet. Generell rechnen die Behörden mit einer Verdoppelung des Güterverkehrsaufkommens in den Alpen bis 2030. Durch die Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels können pro Jahr 120 000 Lkw von der Straße auf die Schiene gebracht werden, Transportzeiten durch den kombinierten Verkehr deutlich verringert werden. Von knapp einer Stunde gehen die Experten aus, die eingespart werden könnte.

Der Gotthard-Basistunnel ist nicht der einzige Tunnel, der aktuell von der Schweiz gebaut wird. Im Rahmen der Neuen Eisenbahn-Transversale (Neat), werden noch weitere Tunnel gebaut, die sich auf einer Höhe von 500m über dem Meeresspiegel befinden. So wird der Gotthard-Basistunnel um 20km verlängert und in den Axentunnel umbenannt werden. Der Baubeginn wird frühestens 2030 starten. Wenn im Jahr 2020 der Ceneri-Basistunnel fertiggestellt und in Betrieb genommen wird, ist ein Transport auf der Schiene von der Nordsee bis ans Mittelmeer möglich. Ligurische Häfen rücken in den Blickpunkt ausländischer Investoren. Der Ausbau vieler Häfen und intermodaler Terminals hat bereits begonnen. Es allerdings sehr wichtig, dass die Zulaufstrecken in Deutschland und Italien fertiggestellt werden. Sonst profitiert keiner von der Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels.

Es wird noch einige Jahren dauern, bis der Gotthard-Basistunnel ausgelastet sein wird, dennoch ist eines sicher, in den nächsten Jahren wird die Bedeutung des Tunnels klarer und wichtiger. Wie auch das schweizerische Außenministerium meint: „Er ist ein Bauwerk für die kommenden Generationen.“

 

 



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