Author: | Category: Logistik & Technik, Transport News |

In Frankreich sind täglich 6 Millionen Lkw unterwegs, die Waren von A nach B bringen. Entweder fahren sie nur innerhalb von Frankreich oder auch in die Nachbarländer wie Spanien, Deutschland, Italien oder auch nach Großbritannien. Meist sind die Fahrer alleine unterwegs oder nehmen ab und an an Rastplätzen Tramper mit. Manchmal fahren auch Freunde, Bekannte oder Verwandte mit, damit die Fahrt nicht so eintönig ist.

Der Management-Absolvent Victor Clément aus Rouen, Frankreich, hätte vor einigen Monaten gerne so eine Mitfahrgelegenheit genutzt. Die Fahrt mit dem Zug hätte ihn ein kleines Vermögen und sehr viel Zeit gekostet (3 Stunden). Mit dem Auto bräuchte man für die Strecke etwa eine Stunde und die einzige Mitfahrgelegenheit wäre um 6:30 Uhr gewesen. Also biss er in den sauren Apfel, stand früh auf und starrte während der Fahrt schläfrig aus dem Fenster. Hierbei fiel ihm auf, wie viele Lkw durch Frankreich wirklich fahren und dass eine Mitfahrt in einem dieser Lkw bestimmt passender gewesen wäre. Nicht nur ihm erging es so. Auch viele seiner Kommilitonen erzählten ihm, dass die öffentlichen Verkehrsmittel z.B. zum Flughafen teuer und kaum noch erschwinglich für Studenten seien.

Die Geschäftsidee war geboren. Kurz nach den Gesprächen mit Freunden und Bekannten wurden die ersten Schritte zur Plattform „We truck“ in die Wege geleitet. Die Beta-Version soll demnächst auf den Markt kommen. Hier hat jeder die Möglichkeit, sich eine Mitfahrgelegenheit mit einem Lkw zu suchen. Die Plattform soll Plätze in den Fahrerkabinen von Fahrzeugen von 3,5 bis 44 Tonnen bieten. Der Fahrpreis wird wohl bei zehn Cent pro gefahrenem Kilometer liegen. Die Plattform „We Truck“ behält davon eine Provision ein und der Rest geht an die Transportunternehmen.

Einige Zeitungen haben über „We Truck“ bereits berichtet und es haben sich sehr viele Transportunternehmen bei dem Studenten gemeldet und großes Interesse gezeigt. Immerhin können die Unternehmen noch ein wenig Geld dazu verdienen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  • Imageaufbesserung
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit
  • Bessere Anbindung für ländlichere Regionen
  • Zusatzeinnahmen

Wie kann mit einem Beifahrer die Sicherheit erhöht und das Image aufgebessert werden? Ganz einfach. Laut Versicherungen ist das größte Unfallrisiko bei Lkw-Fahrern die Müdigkeit. Mit einem Mitfahrer wird es nicht so schnell eintönig. Das Image der Transportbranche und der Lkw-Fahrer wird aufgebessert, da man sie persönlich kennenlernt und den Verkehr aus Sicht des Lkw sieht. Die Lkw-Fahrer sind zu dem sehr gut ausgebildet, halten sich an ihre Lenk- und Ruhezeiten und als Sicherheitsfaktor: der Lkw ist trackbar.

Ländliche Regionen werden für Mitfahrer attraktiver, da man nicht zigmal umsteigen muss. Hinzukommt, das Lkw zu jeder Zeit, außer bzw eingeschränkt an Sonn- und Feiertagen, fahren können, während die Busse und Bahnen an einen strikten Fahrplan gebunden sind.

Um die letzten offenen Fragen zu klären und das System zu optimieren, für Fahrer wie für Mitreisende, fährt Viktor Clément regelmäßig mit: „Ich selbst reise regelmäßig im Lkw und stehe ständig in Kontakt mit Transporteuren, um zu verstehen, wie sie organisiert sind.”