Autor: | Kategorie: Frachtenbörse, Logistik & Umwelt |

Bereits vor einigen Wochen haben wir über das Thema Leerfahrten in Deutschland berichtet. Am Montag befand sich ein Artikel in der FAZ, der ebenfalls das Thema der Leerfahrten in Europa aufgriff. Der FAZ liegt eine noch unveröffentlichte Studie der Europäischen Kommission vor.
20% der LKW, die auf europäischen Straßen unterwegs sind, fahren ohne Ladung. Oft betroffen seien Transitfahrten, auch unter Kabotage bekannt.

Zu viele Leerfahrten in Europa

Fast drei Viertel der Güter im Landverkehr werden von LKW über die Straße transportiert. Das jeder fünfte LKW davon ohne Ladung fährt, ist weder für die Umwelt noch für die Wirtschaft förderlich.
Je nach Lader ist es schwierig eine passende Rückladung zu finden, zum Beispiel für Tankwagen.
Im Inland fährt sogar jeder vierte LKW ohne Ladung.

Politiker und die Verfasser des Berichts kommen allerdings zum Schluss, dass die LKW seltener ohne Ladung unterwegs wären, wenn es weniger Hürden für ausländische Spediteure im Inland gäbe.  Aktuell dürfen ausländische Fahrer nur drei Ladungen pro Woche durch das Transitland fahren. Wären dies mehr, könnten die Fahrten effizienter genutzt und somit ein Teil der Leerfahrten vermieden werden.

Siim Kallas, Vizepräsident der Kommission und zuständig für Verkehr fordert einfachere und präzisere Vorschriften in der EU für den Güterverkehr: „Durch die jetzigen Vorschriften entstehen den europäischen Unternehmen Verluste. Außerdem wirken sie sich auf alle Straßennutzer nachteilig aus und sind schlecht für die Umwelt. Wir brauchen klare Regelungen für die Wirtschaft und gleichzeitig gute Arbeitsbedingungen für die Fahrer. Ich hoffe, dass die neue Kommission die Arbeiten in diesem Sinne fortsetzt.“

Wenn die Beschränkungen und Regulierungen zum Teil aufgehoben würden, wäre es für Verkehrsunternehmer einfacher, Ladungen zusammenzulegen und somit die Rückfahrten nicht leer fahren zu müssen. Laut der EU-Kommission entstehen durch die Leerfahrten jährlich 50 Millionen Euro. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass der Preiskampf verschärft wird. Deutsche Spediteure kalkulieren mit ca. 34 Cent pro gefahrenem Kilometer, während in anderen Ländern wie Rumänien, Litauen, Bulgarien und Lettland mit etwa 11 Cent pro Kilometer kalkuliert wird.
Ein Großteil der Transportunternehmer arbeitet erfolgreich mit Frachtenbörsen, um die leeren Rückfahren zu vermeiden, bzw. zu reduzieren. Häufig kann eine passende Ladung gefunden werden, aber nicht jedes Mal.

Rückladungen würde es bestimmt zu Hauf für LKW geben, wären da nicht die Zeit und der Faktor Mensch. Warum soll der Fahrer Tage an einem Ort fernab von Freunden und Familie ausharren und wo soll er den LKW abstellen, nur damit er nicht ohne Ladung zurückfahren muss? Wer möchte denn für länger von der Familie getrennt sein und wer kommt für die entstehenden Kosten auf? Wo nimmt der Spediteur den fehlenden LKW her? Rund 3 Millionen Menschen arbeiten im Transportgewerbe in etwa 600.000 Betrieben, von denen der Großteil Kleine und Mittelständische Unternehmen sind. Seit Jahren wird auf den Fachkräftemangel im Transportwesen aufmerksam gemacht, doch ändert sich dort nichts bis sehr wenig. Was passiert nun, wenn die Kabotage-Regelungen gelockert werden? Fahren dann nur noch LKW aus dem Ausland über deutsche Straßen?

Quelle: europa.eu, faz.de, greenpeace-magazin.de